The Hunger – Die letzte Reise – Alma Katsu

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German book – German review

 

„The Hunger“ ist die fiktionale Erzählung einer realen Tragödie. Im Stile von Dan Simmons „Terror“ oder  „Der Berg“ gibt die Autorin der traurigen Geschichte eines unglücklichen Siedlertrecks einen Twist ins Übernatürliche.

 

Die Story beschreibt in Grundzügen die reale Reise der Donner-Party. Im April 1846 macht sich ein Siedlertreck von Illinois unter der Leitung von George Donner und James Reed auf nach Kalifornien. Durch ein paar Fehlentscheidungen verlieren sie viel Zeit. Deswegen beschließen sie, einen neuen Weg auszuprobieren anstatt den bewährten California-Trail. Sie vertrauen den Worten eines Mannes, der den Weg nur per Pferd und mit leichtem Gepäck beritten hat. Warnungen, nicht auf ihn zu hören, erreichen die Reisenden nicht mehr. Der neue Weg entpuppt sich leider nicht als die erhoffte Abkürzung. Er ist extrem beschwerlich, für Planwagen nahezu ungeeignet. Es ist eine unfassbare Anstrengung für die 87 Menschen, von denen ein Großteil aus Frauen und Kindern besteht. Sie verlieren noch mehr Zeit und werden im Oktober in der Sierra Nevada von einem Schneesturm überrascht und müssen dort Überwintern. Ihre Vorräte gehen zur Neige. Von dem mitgeführten Vieh ist das meiste auf der strapaziösen Reise verendet. Nach einigen Wochen können ein paar der Siedler losziehen um Hilfe zu holen und die Überlebenden zu retten.

 

Diese Geschichte ist schon fürchterlich genug. Die Hälfte der Siedler starb auf dem Weg. Der Rest wurde halb verhungert gefunden. Schon bald wurden Geschichten über Kannibalismus verbreitet. Was genau geschah, weiß man nicht. Die Autorin nun lässt die armen Menschen einen zusätzlichen Horror erleben. Irgendetwas verfolgt sie. Kinder verschwinden nachts aus den Zelten und werden nie mehr gefunden. Geschichten um blutdürstige Indianer machen die Runde. Einige denken, es ist einen Dämon. Anstrengung, Angst und Hunger machen die Siedler reizbar. Es kommt zu Streit und Gewalttätigkeiten.

 

„The Hunger“ hat mich interessiert, da es ähnlich wie „Terror“ eine wahre Geschichte zu einer Horrorstory verarbeitet. Dan Simmons oben erwähnte Bücher haben mir sehr gut gefallen und ich habe sie geradezu verschlungen. Alma Katsu hat allerdings nicht Simmons erzählerische Kraft. Ihr Buch ist auch viel kürzer und knapper, was aber für mich kein Negativpunkt. Sie hat den Fokus auf einige Figuren beschränkt, mit denen man schon bald mitfiebert, auch wenn man weiß, wie die Geschichte für sie ausging. Es gibt leider nur wenige, rudimentäre Landschaftsbeschreibungen. Man erfährt wenig über die Historie der Siedlertrecks in Amerika. Die gewaltige Anstrengung, die ein solcher Treck quer durch Amerika damals bedeutet, wird in Ansätzen angedeutet, bleibt aber an der Oberfläche. Als historischen Roman würde ich das Buch deswegen nicht einordnen. Es ist klar ein Horrorbuch, auch wenn mir persönlich nicht besonders unheimlich wurde während des Lesens. Mir die ganze Ursache zu wenig greifbar. Was sich dort in den Wäldern versteckt und einen Hunger auf Menschen hat, bleibt zwar nicht ungeklärt, aber doch ein wenig ein Mysterium.

 

Ich habe das Buch trotzdem gerne gelesen. Es ist nicht sonderlich umfangreich und liest sich flüssig. Katsu schreibt knapp und präzise. Ihre Figurenentwicklung ist besser als ihre Storyentwicklung, soweit es jedenfalls den Horror im Wald angeht. Die Geschichte um die Donner-Party ist ja vorgegeben und wie sie im Nachwort schreibt, ist sie nur in einigen wenigen Dingen davon abgewichen.  Das Buch hält die Balance zwischen Historie und Grusel, kratzt aber bei beidem leider nur an der Oberfläche. Die Story  um die Donner-Party und ihre realen und fiktionalen Dramen ist aber trotzdem sehr interessant und der flüssige und schnörkellose Schreibstil machen das Buch zu einem kurzweiligen Leseerlebnis.

 

Ich habe das Buch von Heyne-Verlag zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich ganz herzlich bedanken möchte.

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Graeme Macrae Burnet – Sein blutiges Projekt

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German review of „His Bloody Project“

Ich hatte dieses Buch seit Ewigkeiten auf meinem SuB. Wahrscheinlich zu lange. Denn es kommt mir so vor, als wäre seine ungewöhnliche Erzählart inzwischen überholt. Ich denke, ich habe das Buch einfach zu spät gelesen.

Ein Thriller ist dieses Buch gewiss nicht. Für mich fällt es eher ins historische Genre. Rodericks Bericht, der einen großen Teil des Buches einnimmt, ist sehr langsam und ausführlich erzählt und leider auch nicht sehr spannend. Mich hat von Anfang an sehr gewundert, warum ich als Leser von der absoluten Wahrhaftigkeit dieses Berichtes ausgehen soll. Da das Thema des unglaubwürdigen Erzählers schon fast ein eigenen Genre ist, hinterfragt man solche Berichte doch schon fast von Natur aus. Der einzige Kniff ist, das man bis zur Hälfte des Buches nicht weiß, wer denn die anderen beiden Opfer Rodericks sind. Sobald dieser Punkt erhellt wird, kann man sich schon einiges denken. Denn die Frage stellt sich, wen zu töten Roderick tatsächlich beabsichtigte und wer der Kollateralschaden ist. Aber spätestens, wenn in der ziemlich langweiligen Gerichtsverhandlung der Mediziner zu Wort kommt, kann man das Buch eigentlich zuklappen.

Wie man vielleicht merkt, bin ich etwas enttäuscht von diesem so hochgelobten Buch. Ich hatte vielleicht zu hohe Erwartungen. Zum Glück ist es mit etwas über 300 Seiten nicht allzu dick und liest sich trotz des getragenen Stils schnell weg. Ich fand es aber weder sehr tiefsinnig, trotz seines Einblicks in die trostlosen Leben dieser Menschen im schottischen Hochland. Leichtes Interesse bzw. Kopfschütteln lösten noch diese abstrusen Theorien zur „Verbrecherrasse“ bei mir aus, obwohl ich davon schon gehört hatte. Im Nachhinein finde ich tatsächlich Roderick sehr interessant. Denn im Grunde erfahren wir nichts Greifbares über ihn. Er bleibt ein Mysterium.

Ich denke einfach, dass ich in der Tat schon zu viel in dieser Richtung gelesen habe und deswegen dieses Buch nicht mehr als originell oder herausragend empfinden kann. Trotzdem bin ich froh, es endlich gelesen zu haben.

Der Wille zum Bösen – Dan Chaon

37803865 4 Sterne

 

German review

„Der Wille zum Bösen“ ist ein höchst ungewöhnliches Leseerlebnis. Der Klappentext beschreibt einen relativ normalen Thriller. Dustins Eltern wurden ermordet als er ein Kind war. Sein Adoptivbruder  Rusty sitzt für diese Tat seit fast 30 Jahren in Haft. Er und seine Cousine Kate, deren Eltern ebenfalls getötet wurden, waren die Hauptzeugen. Nun kommt Rusty frei, da ein neues Urteil ihn für unschuldig erklärte. Dustin ist inzwischen Therapeut. Einer seiner Patienten ist ein ehemaliger Cop. Er ist besessen von der Idee, dass ein Serienmörder schon seit Jahren sein Unwesen treibt und junge Männer in Flüssen ertrinken lässt. Vielleicht ist es aber auch eine satanische Sekte. Dustin lässt sich in dessen Verschwörungstheorien hineinziehen. Währenddessen zerfällt seine Familie nach dem Krebstod seiner Frau. Was auch in meinen eigenen Worten wie ein relativ normaler Thriller klingt, ist tatsächlich eine ziemlich bizarre Geschichte.

 

Die Story wird aus der Sicht von mehreren Personen und auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Gemein ist allen Figuren, das sie unglaubwürdig sind und an ihrer eigenen Sichtweise der Geschehnisse beharren. Aber auch im Stil ist dieses Buch ungewöhnlich. Dustin hat die Eigenart, seine Sätze nicht zu beenden. Deswegen enden seine Sätze in Buch tatsächlich einfach so. Ohne Punkt hört plötzlich sein Satz auf. Auch meint man manchmal Schreibfehler oder formale Fehler zu finden, wie z.B. zu große Wortzwischenräume. Das Buch verwirrt nicht nur durch seine seltsame Story sondern auch durch seine Umsetzung. Die Kapitel sind oft sehr kurz, nur 1-2 Seiten lang. Manche Kapitel lesen sich, als ob jemand im Drogenrausch sie erzählt. Andere sind wiederum sehr normal. Manche Kapitel sind in einer Art Tabellenform erzählt. Man muss erst die erste Spalte lesen, über mehrere Seiten, dann die zweite und dann die dritte. Das ist alles höchst ungewöhnlich.

 

Trotz seines seltsamen Stils hat das Buch mich die ganze Zeit gefesselt. Alle Figuren haben ihre eigene Art, mit der Wahrheit umzugehen. Besonders Dustin ist sehr geübt darin, Dinge, die er nicht wahrhaben will, auszublenden. Er traut seinen Erinnerungen nicht, denn Erinnerungen können beeinflusst werden. Das weiß er als Therapeut sehr genau. Er ist zudem ein sehr leicht zu beeinflussender Mensch. Er ist zu vertrauensselig und der Ex-Cop, der sein Patient ist, weiß das für seine „Ermittlungen“ auszunutzen. Leider bleiben zum Teil einige Fragen am Ende offen. Wer hier wen manipuliert hat, das muss der Leser dann für sich selber entscheiden.

 

Wer sich auf dieses Buch einlässt, muss auf jeden Fall bereit sein, sich von den üblichen Stilmitteln zu verabschieden. Belohnt wird man mit einem sehr ungewöhnlichen Buch, das sich von der normalen Thrillerkost extremst abhebt

Der Kreidemann – C.J. Tudor

39931348  5 Sterne

German book – German review

„Der Kreidemann“ ist ein sehr atmosphärischer und gut geschriebener Psycho-Thriller, der mit einer originellen Story besticht.

 

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Hauptakteur ist bei beiden Eddie. In der Zeitebene 1986 ist er zwölf Jahre alt. Mit seinen Freunden Mike, Fat Gav, Hoppo und Nicky findet er in den Sommerferien eine Leiche. Die Tote ist ein Mädchen aus dem Ort, das bei einem schrecklichen Unfall entstellt wurde. Bei diesem Unfall war Eddie ebenfalls Augenzeuge.

 

In der zweiten Zeitebene, Heute, führt Eddie (oder nun Ed) ein freudloses Leben als Lehrer in seiner kleinen Heimatstadt, in der damals der Mord geschah. Er trifft immer noch Hoppo und Gav. Doch die Geschehnisse aus der Vergangenheit holen ihn ein.

 

Über die Handlung sollte man nicht allzu viel wissen, finde ich. Die Story lebt aber vor allem von der Stimmung. Die Autorin kann wunderbar mit wenigen Worten eine Szene umreißen. Die Personen werden schon nach wenigen Seiten sehr plastisch. Überhaupt hat mich die Schreibweise schon nach wenigen Seiten am meisten überzeugt. Die Story ist soweit OK und plausibel. Die persönlichen Verwicklungen der einzelnen Figuren untereinander sind nachvollziehbar beschrieben. Eddie ist auf beiden Erzählebenen eine sowohl sympathische aber auch ambivalente Figur. Kleine Dinge machen ihn ebenso unheimlich wie er eigentlich sympathisch ist. Ich wusste nicht, ob ich seinem Bericht trauen soll, obwohl er so nett rüberkommt als Figur. Die ganze Sache um die Kreidemännchen, diverse Charaktere und die Dynamik der Freundschaft ist schon recht komplex. Zugleich ist das Buch aber auch relativ entspannt und ruhig erzählt. Trotzdem empfand ich es als spannend. Oft enden die Kapitel mit einer kleinen Andeutung auf Kommendes. Aber der nächste Abschnitt spielt dann wieder in der anderen Zeitebene und man will schnell weiterlesen und so fliegen die Seiten nur so dahin.

 

Mir hat an diesem Buch vor allem der Schreibstil gefallen. In den Rückblenden kommt ein wenig Nostalgie auf. Man muss an Filme wie „Stand by Me“ oder auch „Stranger Things“ denken. 5 Kinder im frühen Teenie-Alter sehen sich einer Gefahr aus der Erwachsenenwelt gegenüber. Einer davon, Ed, muss sich diesen Ängsten als Erwachsener wieder stellen. Dabei ist er an einigen Dingen nicht ganz unschuldig und ist in diesem Sinne ein unzuverlässiger Erzähler.

 

Mir hat dieses Buch, trotz des einen oder anderen Makels, sehr gut gefallen. Es ist flüssig zu lesen, gut geschrieben, sehr menschlich und nachvollziehbar und auch spannend (auf eine leise Art). Es hebt sich auf angenehme Art von der Einheitskost im Thrillergenre ab. Mich hat „Der Kreidemann“ überzeugt.

Paula Daly – Stiefmutter

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Dies ist bereits mein drittes Buch von Paula Daly. Ihr Name steht für mich für gute und durchdachte Krimis und den wunderschönen Handlungsort Lake District. In diesem Buch besticht sie vor allem durch ihre starke Figurenzeichnung. Mir war der Begriff „Tigermutter“ noch gar nicht bekannt. Ich musste es erst googeln. Auf Karen trifft der Begriff exakt zu. Sie will nur das Beste für ihre Tochter Brontë und das Beste bedeutet für sie Erfolg im Leben. Der lässt sich aber nur mit harter Arbeit erreichen und deswegen gibt es weder Freizeit noch Spielen für die 10jährige. Karen fährt Brontë vom Musikunterricht zum Ballett und von da aus zur Mathenachhilfe. In der Autorfahrt dazwischen ist dann Zeit zum Essen und Leseübungen. Karen ist ein sehr unsympathischer und kalter Charakter. Die kleine Brontë kann einem leidtun.

 

Karen ist mit Noel verheiratet. Für ihn ist es schon die zweite Ehe. Er hat seine erste Frau Jennifer wegen Karen verlassen. Jennifer ist inzwischen an MS erkrankt und lebt in einem Heim. Dadurch wohnt ihre gemeinsame Tochter Veritiy seit einiger Zeit bei ihnen. Karen und Verity verstehen sich gar nicht und es kam auch schon einmal zu einem unschönen Vorfall.

 

Eines Nachmittags, eine Klavierstunde fiel überraschend aus, nimmt Verity Brontë mit auf den Spielplatz. Sie lässt sie kurz bei ihren Freundinnen und besucht ihre Mutter im Heim. In diesen wenigen Minuten verschwindet Brontë. Doch einen Tag später taucht sie gesund und munter wieder auf und hat nur eine lahme Erklärung dafür, wo sie war. Doch dann passiert noch etwas weitaus schlimmeres.

 

Paula Daly hat eine klare und flüssige Schreibweise. Wie schon erwähnt, sind in diesem Buch vor allem die Figuren beeindruckend. Karen ist als extremer Charakter sehr gut gelungen. Man muss sie einfach hassen. Die Polizistin Joanne ist der Sympathieträger der Geschichte. Kleine persönliche Dinge lassen sie sehr lebensecht erscheinen. Noel ist ein wenig Rückratlos. Ich empfand ihn als sehr schwachen Menschen, der sich seiner resoluten Frau gegenüber nicht durchsetzen kann. Aber gerade durch seine Fehler ist er ebenfalls eine sehr glaubwürdige Figur. Die Krimihandlung ist solide und durchaus spannend. Lange tappt Joanne im Dunklen, der Fall bzw. die beiden Fälle, die sich ereignen, sind rätselhaft. Die Story ist ein Mix aus häuslichem Drama, Krimi und der daraus resultierenden Polizeiarbeit.

 

Das Buch lässt sich gut weglesen und ist flüssig geschrieben. Für mich war es jetzt kein Lesehighlight aber durchaus unterhaltsam.

 

Ich habe das Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich herzlich bedanken möchte

Lauren Groff – Licht und Zorn

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Alles an Lotto (Lancelot) ist überlebensgroß. Sein Charme, seine Aura, seine Körpergröße, seine Güte, seine Schönheit. An ihm ist alles groß und einnehmend. So warmherzig und gutmütig er ist, so eitel und selbstverliebt ist er ebenfalls. Er braucht Bewunderung wie die Luft zum Atmen und will geradezu zwanghaft von allen gemocht werden. Zum Glück tun das auch alle.  Alle Menschen erliegen Lottos Charme. So auch Mathilde. Als sie sich im College begegnen, ist für beide klar, dass sie für einander geschaffen sind und auf ewig zusammen bleiben. Da er grundsätzlich nur das Gute in Menschen sieht, ist Mathilde für ihn eine Heilige. In seinen Augen ist sie rein und gut. Sie hält ihm den Rücken frei, als er ohne Erfolg seinen Schauspielambitionen nachhängt. Als ihm schließlich der Durchbruch als Dramatiker gelingt, ist sie ebenfalls für ihn da und ebnet sein Leben. Lottos Leben ist lichtdurchflutet und diese Lichtquelle ist Mathilde.

 

Der erste Teil des Buches zeigt Lottos Leben aus seiner Sicht. Lotto ist bei aller Herzensgüte ein Egozentriker, den ich schon aus Prinzip nicht mochte. Wenn ich nicht gewusst hätte (aus anderen Rezensionen), dass mich ein anders gearteter zweiter Teil erwarten würde, hätte ich das Buch evtl. abgebrochen. Zu ermüdend war die Geschichte teilweise. Ich empfand auch den Schreibstil der Autorin zwar als durchaus blumig und fast poetisch, aber auch anstrengend. Hier ist alles überlebensgroß und dramatisch. Die Handlung ist fast ein wenig zu phantastisch, die Charaktere alle zu extrem. Ich habe einige Teile nur quergelesen und wollte endlich zu Mathildes Teil kommen.

 

Mathilde ist nicht, wer hätte es gedacht, die Heilige, für die Lotto sie hält. Sie liebt Lotto und er ist ihr Leben, aber sie hat die Fäden in der Hand ohne das Lotto es merkt. Weite Teile ihres Lebens und ihres Charakters hält sie vor ihm versteckt. Ich frage mich, ob es wirklich möglich ist, jahrzehntelang so viel von sich unterdrücken zu können. Auf den zweiten Teil möchte ich handlungsmäßig nicht weiter eingehen. Zu leicht wäre die Gefahr, zu viel zu verraten. Mathilde ist ein weitaus schwierigerer Charakter als Lotto und nicht unbedingt liebenswert. Sie ist verschlossen, manipulativ und zornig. Es gibt auch einige Wendungen zu viel und einiges ist doch arg unrealistisch.

„Licht und Zorn“ ist nicht das klassische Ehedrama, das man vielleicht erwarten würde. Lotto und Mathilde lieben sich sehr, hier gibt es keine Zerfleischung. Hier stellt sich mehr die Frage, wie gut man den Mensch an seiner Seite wirklich kennt. Vor allem wenn er so verschlossen ist wie Mathilde. Zumindest Lotto kannte seine Ehefrau nicht wirklich. Es mag seiner eigenen Selbstwahrnehmung geschuldet sein, das er seine Frau so wenig hinterfragte. Es sah sie so, wie er sie sehen wollte und Mathilde spielte mit, weil sie der Mensch sein wollte, den Lotto in ihr sah.

 

Grundsätzlich hat Lauren Groff einen schönen Schreibstil. Aber irgendwie wirkte er verfehlt. Es ist oft einfach zu viel, over-the-top, und macht die Geschichte fast zu einer Phantasiegeschichte da sie so unrealistisch ist. Die Story kommt auch nicht so richtig auf den Punkt und mäandert vor sich hin. Es war oft etwas ermüdend. Ein wenig Straffung hätte dem Buch gutgetan.

 

Irgendwie habe ich etwas anderes erwartet als ich mit diesem Buch bekommen habe. Das ist nicht unbedingt schlecht und auch nicht der Fehler des Buches. Ich bin auch froh, dass ich es gelesen habe obwohl ich mich gelegentlich etwas durchgequält habe. Aber irgendetwas ist unter all der blumigen Wortgewalt verborgen, denn das Buch hat ein Gefühl in mir ausgelöst. Es hat mich traurig zurück gelassen. Auch wenn ich nicht ganz glücklich bin mit dem Buch, so soll meine Rezension kein Verriss sein. Denn wenn ein Buch ein so starkes Gefühl bei mir als Leser auslösen kann, dann hat es doch etwas richtig gemacht.

The Ascent – Der Aufstieg – Ronald Malfi

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Ich bin ein großer Fan von Büchern, die sich mit Bergsteigen beschäftigen. Ganz besonders, wenn es um die Gegend rund um den Mt. Everest geht. Dieses Buch passte somit genau in mein Beuteschema.

Zuerst geht es ganz geruhsam zu. Wir lernen Tim kennen. Er ist – oder war – Bildhauer. Seine Frau hat ihn vor einiger Zeit verlassen, weil er seiner Arbeit immer den Vorzug gab. Kurz nach ihrer Trennung kam Hannah mit ihrem neuen Partner bei einem Unfall ums Leben. Die Trennung und besonders Hannahs Tod haben Tim völlig aus der Bahn geworfen. Er verliert sich in Extremsportarten und trinkt exzessiv. Bei einer leichtsinnigen Höhlenkletterei kommt er beinahe ums Leben. Als er so in dieser Höhle lag und dachte, er müsste sterben, glaubte er, Hannahs Geist zu sehen. Sie gab ihm Kraft in dieser Situation und half ihm, zu überleben. Zumindest glaubte er das in dem Moment. Während er seine Verletzung auskuriert und säuft, glaubt er immer wieder Hannahs Geist aus den Augenwinkeln zu sehen. Tim fürchtet, dass er seinen Verstand verliert. Da kommt ihm das Angebot eines alten Freundes von Hannah gerade recht. Andrew stellt gerade eine kleine Truppe Kletterer zusammen, mit denen er das geheimnisvolle Tal der Seelen in Nepal aufsuchen will, das noch keiner außer den Einheimischen betreten haben soll.

Die Stimmung des Buches ist von vorne herein sehr düster. Tim suhlt sich in Selbstmitleid und Alkohol. Nach und nach in Rückblenden erfahren wir, wie er Hannah kennenlernte und wie sie sich auseinanderlebten. Die Hauptstory ist aber der Trip zum sagenumwobenen Tal der Seelen. Die Tour steht unter keinem guten Stern. Die Truppe besteht aus lauter Alphamännchen und muss sich erst zusammenraufen. Schon bald stoßen sie auf Schwierigkeiten, der Aufstieg ist gefährlich und dann gibt es den ersten Toten.

Das Buch wird vom Verlag als Thriller beworben. Das war mir vor dem Lesen gar nicht bewusst. Für mich war es über weite Teile aber eher eine Abenteuergeschichte mit düsterem Hintergrund und leicht paranormalen Anklängen, die aber auch dem Zustand der Hauptfigur zugeschrieben werden können. Die Thrillerelemente kommen erst zum Schluss zum Vorschein. Da wird es dann sogar sehr spannend. Da ich zu Beginn nicht wusste, dass es ein Thriller sein sollte, habe ich auch nichts vermisst. Für mich war es aber auch so sehr spannend. Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig und die Seiten flogen nur so dahin. Ich bin, wie ich schon sagte, ein williges Opfer für derartige Storys um masochistische Bergsteiger. Der leicht mystisch-mysteriöse Touch hat mir auch sehr gut gefallen. Er ist gut eingebettet in die Story.

Dem Autor ist ein homogener Mix aus Mystery, Thriller und psychologischer Horrorstory gelungen. Für mich war „Der Aufstieg“ kurzweilige und spannende Unterhaltung.

Ich habe das Buch von Netgalley.de und dem Luzifer-Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.