Bird Box – Josh Malerman

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Malorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet …

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum Zeitpunkt, als sich in den Nachrichten immer mehr Meldungen häufen, das Menschen irgendetwas sehen, was sie verrückt werden läßt und andere Menschen töten bzw sich selber, erfährt Malorie gerade, das sie schwanger ist. Doch  bevor sie sich mit den Konsequenzen der Schwangerschaft auseinander setzten kann, spitzt sich die Lage schon zu. Ihre Schwester, mit der sie zusammenlebt, hat wohl dieses Irgendwas erblickt und bringt sich um. Die Meldungen sind wage und ungenau, keiner weiß was vor sich geht. Irgendwelche Wesen streifen wohl umher, deren Anblick einen den Verstand verlieren läßt. Alle verhängen ihre Fenster und gehen nur noch vorsichtig mit Augenbinden vor die Tür. Malorie findet eine Zeitungsanzeige, in der jemand Überlebende auffordert, zu ihm zu kommen, damit sie sich gegenseitig helfen können. Da es ganz in der Nähe ist, nimmt Malorie ihren ganzen Mut zusammen und fährt vorsichtig und ohne viel zu gucken, zu dem Haus. Dort trifft sie auf eine kleine Gruppe Menschen, die sie aufnehmen.

Der andere Zeitstrang, mit dem das Buch auch beginnt, zeigt uns Malorie 4 Jahre später. Sie ist alleine mit 2 kleinen Kindern, die sie regelrecht dazu abgerichtet hat, das sie extrem gut hören und Geräusche identifizieren können. Sie ist auf sich gestellt. Sie geht nur vor die Tür, natürlich mit verbundenen Augen, um am Brunnen Wasser zu holen. Doch an diesem Tag nimmt sie die Kinder und bricht mit dem Boot, das auf dem Fluss hinter ihrem Haus liegt,zu einer Reise auf. Wohin, das  bleibt bis kurz vor Schluss ein Rätsel.

Das Buch hat einen eher trockenen Stil, Man ist vom ersten Satz an gleich mitten drin in der Geschichte, ohne große Einleitung. Der Horror entsteht dadurch, das man nichts sehen kann. Man kann nicht hingucken, wenn man das Gefühl hat, am Brunnen wäre etwas. Ist es nur ein Tier oder ist es eins der Wesen? Diese mysteriösen Wesen scheinen nicht aggressiv zu sein, aber die Angst vor ihnen ist doch immer präsent  und die Gefahr die von ihnen ausgeht, ist verheerend.

Mir haben die Kapitel, die in der Gruppe spielen, besser gefallen. In den anderen, die allerdings auch recht kurz sind, begleite man Malorie immer ein wenig auf der Fahrt auf dem Fluss und den Gefahren, die sich ihr dabei stellen. Wie gesagt, sie macht diese Fahrt blind, angewiesen auf das gute Gehör der beiden kleinen Kinder. .

Wer oder was diese Wesen sind, wird nicht erklärt. Es gibt kein Fernsehn und keine Zeitung mehr, niemand weiß, wieviele Menschen noch leben und wo. Die Gruppe versucht über das noch funktionierende Telefon alle Leute in der Stadt anzurufen, aber ohne Erfolg. Sie überlegen, wie sie weiter überleben können, sie brauchen Vorräte, Medikamente. Malories Schwangerschaft schreitet voran. Einer aus der Gruppe Tom, entwickelt einen Plan, wie sie blind die Nachbarhäuser durchsuchen können, ohne zu wissen, was sie draußen erwartet.

Einige Szenen sind dem Autor wirklich gut gelungen. Es gibt die ein oder andere wirklich gruselige Szene. Man weiß als Leser nicht mehr als die Personen, und da niemand was sehen kann, kann uns Lesern auch niemand mehr berichten. Das hat schon seinen Reiz, kann aber auch den ein oder andere Leser, der es gerne genau wissen würde, stören. Darauf muss man sich einlassen. Das Buch ist düster. Kommt einem Malorie zu Anfang komisch vor, gerade im Umgang mit den Kindern, die sie nur Junge und Mädchen nennt, kann man sie zum Schluss ein wenig verstehen, wie sie so verhärten konnte nach allem, was sie erlebt hat. Das Ende ist relativ geschlossen, lässt aber auch ein Hintertürchen offen für eine Fortsetzung.

Ich habe dieses Buch im Zuge einer Leserunde bei den http://www.buechereulen.de vom Penhaligon Verlag zugeschickt bekommen.

4Punkte

Martha Lea – Die Entdeckungen der Gwen Carrick

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Klappentext:

Cornwall, 1859. Gwen Carrick ist eine ungewöhnliche Frau. Statt sich für häusliche Dinge zu begeistern, liebt sie die Naturwissenschaften. Da ihr der Zugang zur Universität verwehrt ist, zeichnet und malt sie die Insekten ihrer Heimat. Bei einem ihrer Ausflüge lernt sie den Arzt Edward Scales kennen und verliebt sich sofort in ihn. Denn Edward verspricht ihr Freiheit, Selbstbestimmung und Anerkennung als Wissenschaftlerin. Und so lässt sie sich auf eine gewagte Reise zur Erforschung der Insekten im Amazonas-Becken ein, nicht ahnend, dass Edward ein Geheimnis verbirgt, das alles zerstören könnte.

 

 

Gleich zu Beginn erfahren wir, das eine gewisse G. Pemberton des Mordes an Edward Scales angeklagt wird. Das Buch springt daraufhin ein paar Jahre zurück und schildert, wie Gwen besagten Edward in Cornwall am Strand kennenlernt. Sogleich weiss man als Leser, das ganze geht nicht gut aus.

Zuerst sieht aber alles gut aus. Gwen und Edward verlieben sich und beginnen eine Affäre. Gwen ist Künstlerin, sie zeichnet, und sie interessiert sich für die Natur, für Insekten. Edward, der Arzt ist und Hobbyforscher, scheint die für die damalige Zeit unschicklichen Neigungen zu respektieren.

Gwen hat eine Schwester, Euphemia, die ein wenig exzentrisch ist und sich dem Spiritismus verschrieben hat. Sie hat eine Schar von Anhängern, die ihre Seancen besuchen. Euphemia hat zudem schwer zu durchschauende Schübe von Wahnsinn. So näht sie einfach mal so einem Bediensteten ein Auge zu. Edward schlägt Gwen vor, ihn nach Brasilien als seine Assistentin zu begleiten. Für Gwen ist es eine willkommene Gelegenheit, ihrem engen Zuhause und ihrer mißgünstigen Schwester zu entkommen. Doch schon bald schwinden ihr Vertrauen und ihre Zuneigung zu Edward. Denn Edward verheimlicht ihr wichtige Dinge, wie z.B. seine Ehe mit Isobel. Und in Brasilien läuft auch nicth alles so wie erhofft.

„Die Entdeckungen der Gwen Carrick“ ist ein schwieriges Buch. Es ist recht schwer, den Personen zu folgen, denn sie handeln wirklich oft unverständlich. Das liegt auch daran, das man ihnen nicht nahe kommt. Zwischendurch hatte ich mal Hoffnung, das sich alles fügen könnte. Aber schon kurz danach war diese Hoffnung wieder zunichte. Zum Ende bleiben viele Fragen offen, viele Dinge, die angerissen wurden, tauchten nicht wieder auf und wurden nie geklärt. Mir persönlich kam auch der Anspruch, die Geschichte einer selbstbestimmten Frau erzählen zu wollen, die in einer Zeit, in den Frauen Intelligenz abgesprochen wurde, sich als Künstlerin und Wissenschaftlerin zu behaupten versucht, vorgeschoben vor. Im Grunde ging es nur um die dunklen Untiefen in der menschlichen Psyche in all ihrer Abartigkeit.

Mit ihrem Bestreben, uns Leser zu eigenen Interpretationen der Geschichte zu bewegen, ist die Autorin über ihr Ziel hinausgeschossen. Bei so vielen merkwürdigen Dingen und Handlungen kann man sich gar nicht alles zusammenreimen.

Der Klappentext verspricht somit mehr, als das Buch halten kann. Vor allem aber seine anstrengende Art, seine verwirrungstiftenden Erzählweise machen die Lektüre nicht leicht.

Ich habe das Buch im Zuge einer Leserunde bei http://www.buechereule.de gewonnen und vom Droemer-Knaur Verlag zugeschickt bekommen.

 

2,5 Sterne