Mädchentod – Julia Heaberlin

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2-3 Sterne

Tessa ist die einzige Überlebende eines Serienmörders. Halbtot wurde sie mit einer anderen Mädchenleiche und Knochen in einem Erdloch gefunden. Der Täter wurde angeblich gefasst und verurteilt. Tessa erinnert sich aber an nichts mehr. Ihre Entführung und was genau geschah ist aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Auch 20 Jahre später weiß sie noch immer nicht, was damals geschah. Der Täter, ihr „Monster“ steht kurz vor der Hinrichtung. Ein junger Anwalt sucht Tessa auf, da er von seiner Unschuld überzeugt ist. Auch Tessa hat ihre Zweifel an der Täterschaft. Und zwar in erster Linie, weil immer mal wieder eine bestimmte Blumenart in ihrer Umgebung gepflanzt wurden. Die gleichen Blumen, mit denen damals ihr Fundort bedeckt war und den Opfern ihren Spitznamen gaben: Schwarzäugige Susannen. Tessa ist sicher, dass der Täter noch frei ist und sie mit diesem Psychospielchen quält.

Und damit begann auch schon mein erstes Problem mit dem Buch. Die ersten Blumen tauchten kurz nach der Verurteilung auf. Aber erst 20 Jahre später kommt sie auf die Idee, dass dann der Mann im Gefängnis wohl kaum der Täter sein kann.  Sie lebt deswegen in ständiger Angst, besonders auch um ihre 14jährige Tochter. Diese Ausgangslage ist mir gleich etwas Stirnrunzeln verursacht.

Man sollte sich auf keinen schnellen Thriller einstellen, wenn man zu diesem Buch greift. Die Spannung lässt lange auf sich warten. Der Schreibstil ist recht anstrengend, voller Bilder und seltsamen Metaphern. Ein Beispiel:

„Ihr Büro hingegen erinnerte mich an einen dicken Lieblingsonkel, der schrille Hemden trägt und einem ein leicht zerdrücktes Stück Twinkie-Kuchen aus der Hosentasche anbietet“

Ein Büro wie ein Lieblingsonkel. Nett, vielleicht auch witzig, aber auf Dauer anstrengend und überladend. Und trotz der vielen Worte ist die Autorin sehr ungenau in ihrer Beschreibung. Ich hatte oft das Gefühl, etwas überlesen zu haben. Wir sind viel in Tessa Kopf, in dem ja die Susannen spuken und sie hin und her gerissen ist zwischen dem Wunsch, sich auch weiterhin nicht zu erinnern oder sich lieber doch die Wahrheit wissen zu wollen. Es gibt zwei Erzählebenen, Tessa im heute und Tessa (Tessie) 1995, kurz nach dem Verbrechen. Mir haben die Rückblicke weniger gefallen als das heute. Aber Tessa ist so oder so eine anstrengende Figur. Spannend wird es erst etwas nach der Hälfte und gegen Ende. „Mädchentot“ ist ja leider wieder einmal ein Buch, das als nächstes „Gone Girl“ beworben wird. Ein großer Fehler. Ich hoffe, dass es endlich bei Verlagen mal ankommt, wie nervig und unnötig und auch schädigend dieser Werbespruch ist. Dieses Buch hat gar nichts mit „Gone Girl“ zu tun. Ja, es gibt einen Twist, aber es ist viel geschwätziger, nicht so böse und auch nicht so spannend.  Und Tessa ist nicht unzuverlässig als Erzählerin, sie hat eine Erinnerungslücke.

Zwischendurch gibt es viel Polizeiarbeit, Anwaltssachen, und interessante Einschübe aus der Forensik. Das hat mir überraschend gut gefallen. Die Story an sich ist auch gut, aber ich hatte am meisten Probleme mit dem Schreibstil, der so wage ist und doch so überbordend. Man wird als Leser mit dem Geheimnis geködert, aber am Ende ist man dann auch nicht wirklich viel schlauer. Für mich sind nicht alle Dinge geklärt, ich habe da noch ein paar Fragezeichen im Kopf. Ein seltsames Buch, für das ich nur 2-3 Sterne geben kann.

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