Laura McHugh – Die Schwere des Blutes

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Lucie wächst in einem kleinen Nest in den Ozark Mountains auf. Jeder kennt jeden und man braucht seine Tür nicht abzuschließen. Eines Tages verschwindet ein junges Mädchen. Cheri war leicht lernbehindert und ihre Mutter kümmerte sich nicht um sie. Jeder glaubt, sie ist abgehauen oder mit jemandem mitgegangen. Ein Jahr später findet man ihre Leiche im Wald. Lucie, die als Kind mit Cheri befreundet war, lässt dieser Mord keine Ruhe. Er erinnert sie an das Verschwinden ihrer eigenen Mutter als sie noch ein Baby war. Sie beginnt ein wenig zu schnüffeln und herumzufragen.

Die Geschichte wird im ersten Teil abwechseln in der Gegenwart von Lucie erzählt und in der Vergangenheit von ihrer Mutter Lila. Lila ist Waise und kam auf das Jobangebot von Lucies Onkel Crete in den Ort. Fremde werden naturgemäß in so einem kleinen Ort misstrauisch beäugt. Erschwerend für Lila ist ihr Aussehen. Sie sieht etwas exotisch aus mit ihrem schwarzen Haar und ihrer dunklen Haut. Zudem ist sie bildschön. Wir erfahren, was sie erlebte in dem Ort und wie sie Lucie bekam.

„Die Schwere des Blutes“ ist ein düsterer Roman. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich hineingefunden hatte. Es geht um Familie und um den Zusammenhalt. Die Familie ist in diesem abgelegenen Ort, wo jeder mit jedem verwandt ist und über viele Dinge einfach geschwiegen wird, das einzige, worauf man sich verlassen kann. Doch die „Schwere des Blutes“ kann auch erdrückend sein. Ich empfand die Stimmung in dem kleinen Ort als sehr bedrückend. Jeder weiß, das etwas vorgeht, was genau Lila für ein Schicksal erwartet. Doch es wird stillschweigend geduldet. So sind die Dinge hier, man hält zusammen und man sagt besser nichts.

Das Buch baut nur langsam eine gewisse Spannung auf. Nach und nach erfahren wir durch Lila mehr, während Lucie in der Gegenwart noch im dunklen tappt. Im zweiten Teil des Buches kommen dann auch andere Personen zu Wort und die Geschichte bekommt mehr Facetten und es gibt neue Blickwinkel. Es wird aber auch immer erschreckender. Dass ein ganzer Ort den Mund hält über derartige Dinge ist schon schockierend. Ich würde gerne sagen, es ist unglaubwürdig, aber das wäre wohl Wunschdenken meinerseits. Das ist aber etwas, was mir an dem Buch leicht aufstößt. Denn auch als Lucy endlich nach und nach dahinter kommt, was so vorgeht in dem Ort und was die Menschen, denen sie vertraut, getan haben, bleibt sie relativ unaufgeregt.

Wenn ich diese Dinge über meine Familie erfahren hätte, ich denke, ich hätte anders reagiert. Am Ende wird der Mord nicht gesühnt, Lucie bleibt wo sie ist und alles geht seinen Gang weiter. Die Autorin entschuldigt fast die Taten ihrer Protagonisten. Es ist zwar grauenvolles passiert aber es war ja nicht böse gemeint, eher lag sogar eine gute Absicht dahinter. Die Relativierung der Taten hat mir nicht gefallen und somit bin ich auch mit dem Ende nicht sehr glücklich.

Nach anfänglichen Einstiegsproblemen habe ich die letzte Hälfte fast in einem Rutsch durchgelesen. Der Schreibstil ist angenehm und die Spannung baut sich nach und nach auf. Es ist ein sehr amerikanisches  Buch, das ein wenig Einblick in die Eigendynamik kleiner, abgelegener Ort in Amerikas Mittleren Westen zeigt.

3,5 Sterne

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