Girl on a Train – Paula Hawkins

Rezension:

Girl on the Train - Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich.: Roman - Paula Hawkins, Christoph Göhler

Jeden Morgen pendelt Rachel mit dem Zug in die Stadt, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Rachel blickt in die Gärten der umliegenden Häuser, beobachtet ihre Bewohner. Oft sieht sie ein junges Paar: Jess und Jason nennt Rachel die beiden. Sie führen – wie es scheint – ein perfektes Leben. Ein Leben, wie Rachel es sich wünscht.

Eines Tages beobachtet sie etwas Schockierendes. Kurz darauf liest sie in der Zeitung vom Verschwinden einer Frau – daneben ein Foto von »Jess«. Rachel meldet ihre Beobachtung der Polizei und verstrickt sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse .

 

Rachel fährt jeden Tag Zug. Zuerst denkt man, sie pendelt zur Arbeit, am schon bald wird klar, das sie ihren Job verloren hat. Sie trinkt, heftig, sie lebt zur Untermiete bei einer Freundin. Ihr Leben ist jämmerlich. Jeden Tag schaut sie bei einem Zugstopp in das Fenster eine Paares und idealisiert die beiden. Zudem wohnen sie in der gleichen Straße in der Rachel einst wohnte mit ihrem Exmann Tom. Tom lebt immer noch da, inzwischen mit seiner neuen Frau. Dann ist diese junge Frau,die sie jeden Tag sieht, auf einmal verschwunden. Und Rachel hat etwas gesehen in den Tagen zuvor, das sie damit in Verbindung bringt.

 

Ich tat mich zu Anfang schwer mit den verschiedenen Frauen. Wobei man zuerst nur Rachel und Megan kennenlernt. Später kommt dann noch Anna hinzu, Toms neue Frau. Ich wurde zudem zusätzlich verwirrt, weil Megan zuerst Jess genannt wird von Rachel. Denn Rachel denkt sich eine Phantasiegeschichte zu den beiden aus. Sie scheinen das perfekte Leben zu haben, das, das Rachel selbst verloren hat. Tom verließ sie für eine andere, die beiden haben ein Baby inzwischen. Etwas, das Rachel nicht vergönnt war und das mit Schuld ist an ihrer Trinkerei. Sie trinkt bis zu Besinnungslosigkeit, weiß das auch, weiß, das sie dann Dinge tut, die sie am nächsten morgen bereut, soweit sie sich daran noch erinnert. Und sie trinkt trotzdem. Sie ergeht sich in Selbstmitleid, in Ekel vor sich selber. Sie ist so tief gesunken, das ihr fast nichts mehr peinlich ist.

Das beide Erzählstimmen den gleichen Ton haben, macht es am Anfang etwas schwierig. Man muss auch genau auf die Zeitangabe achten. Als Megan vermisst wird eines Tages, wird Rachel aktiv. Denn sie hat in der Tat etwas beobachtet. Sie geht aber nicht nur zu Polizei, sie nimmt auch Kontakt auf mit Megans Ehemann Scott. Und damit beginnt sich der Kreis zu schließen, in dem diese wenigen Figuren miteinader verbunden sind.

„Girl on a Train“ ist ein ungewöhnliches Buch. Es ist vielleicht nicht das Megaüberbuch, als das es vor allem auf englischen Plattformen gehypt wird. Aber ich finde doch, das es zu Recht Aufmerksamkeit bekommt. Denn es ist anders als der Durchschnitt. Die Erzählweise ist andes, die Figuren sind dunkler, abgründiger als in vielen anderen Büchern. Ich finde auch die Grundidee sehr gut. Rachel, diese bedauernswerte, alkoholabhänige Existenz, die sich in Tagträumen ergeht über fremde Menschen und dann tatsächlich etwas unternimmt, um das Verschwinden Megans aufzuklären, auch wenn sie sich dabei vor vielen Menschen erniedrigen muss, das ist schon eine harte Kost. Die Autorin hat eine handvoll Figuren entworfen, die in ihrer abgründigen Menschlichkeit mir persönlich sehr real vorkamen. Ich empfand das Buch auch als spannend, denn ich habe die Zeichen, wer dahinter steckt, erst recht spät erkannt. Zwar kann man es dann gegen Ende relativ gut erkennen, aber es hätte auch noch abdriften können. Das es zielgerichtet aber seinen Täter verfolgt und keine überraschende Lösung auf den letzten Seiten hervorzaubert, muss man ihm zugute halten.

Wo die ganzen Vergleiche mit „Gone Girl“ herkommen, ist mir ein Rätsel. Evtl. bedient es einen ähnlichen Geschmack, denn offenbar mochten das Buch viele nicht, die auch „Gone Girl“ nicht mochten. Aber vergleichen kann man die Bücher nicht. Man muss halt das Böse, das Abgründige in den Figuren „mögen“, um beide Bücher genießen zu können. Auch sollte man keine Probleme haben, keine positive Identifikationsfigur vorzufinden.

Wer von dem üblichen Thrillereinerlei auf dem Buchmarkt genug hat und offen ist für eine neue Herangehensweise, sollte sein Glück mal mit „Girl on a Train“ versuchen. Mir hats gefallen.

Original post:
coriander.booklikes.com/post/1212657/girl-on-a-train-paula-hawkins

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Ein Gedanke zu “Girl on a Train – Paula Hawkins

  1. Hab ich auch gelesen. Fand es ähnlich gut. Etwas eintönig fand ich die Sicht der einzelnen Teilnehmer, hätte gerade so gut eine einzige Person sein können. Da hätte es etwas differenziierter sein dürfen….

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