Rachel Kushner – Flammenwerfer

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1975: Die Hobby-Motorradrennfahrerin Reno (so ihr Spitzname, nach ihrem Geburtsort) kommt nach einem Rekordversuch auf den großen Salzseen nach Manhattan, um in die kreativ explodierende Künstlerszene SoHos einzutauchen. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Leben und Kunst verschwimmen, trifft sie auf eine Schar von Träumern, Revoluzzern und Phantasten: Unter ihnen auch Sandro Valera, erfolgreicher Konzeptkünstler und exzentrischer Erbe einer italienischen Reifen- und Motorrad-Dynastie, in den sie sich verliebt. Aber bei einem Besuch bei seiner Familie in deren Sommerresidenz am Comer See gerät sie in den Strudel einer echten Revolte, die sich in Streiks, Straßenkämpfen, Entführung und Mord Bahn bricht ..

Puh, dieses Buch ist schwer zu rezensieren für mich.  Italien 1977 und die New Yorker Kunstszene zur gleichen Zeit sind die Themen. In Italien ist gerade Revolte und Reno gerät mehr zufällig dort hinein. In New York versucht sie sich als Künstlerin, alle um sie herum machen irgendwie Kunst, diese seltsame Perfomance-Kunst, die mir persönlich so fremd ist. Alles im Leben kann Kunst sein, sogar, das man als Kellnerin arbeiten muss um zu überleben. Man tut einfach so, als wäre man diese Kellnerin, als performe man sie und schon ist es Kunst.

Besonders hat mir der Schreibstil der Autorin gefallen. Er hat mich bei der Stange gehalten, denn eine klassische Story wird hier nicht erzählt: Ein Mädchen, das den Namen ihrer Geburtsstadt Reno verpasst bekommt, zieht nach New York um Künstlerin zu werden, lernt dort den Sohn eines italienischen Reifen- und Motorradherstellers kennen, der ebenfalls Kunst macht. Mit ihm reist sie nach Italien, weil sie dort Werbung für seine Firma machen soll, verlässt ihn, kommt irgendwie nach Rom und dort in die Revolte und dann ist sie wieder zurück in New York. Das genau wäre die Handlung. Natürlich ist es insgesamt viel mehr, weil das Buch voller Ideen ist und teilweise auch recht durchgeknallt.

Ein Manko hat das Buch: Ich fand Reno sehr wage und aktionslos. Auf mich machten sie keinen starken sondern eher einen passiven Eindruck. Sie steht im Schatten ihres Freundes, hängt an ihm, schließt die Augen vor seinen Frauengeschichten und biedert sich einen alten One-Night-Stand an, kaum das sie dazu Gelegenheit hat. Sie wirkte auf mich eher wie ein Mädchen, das Zuneigung sucht, einen Partner, der ihr Halt gibt. Sie beschreibt sich auch als einsam, als sie in New York ankommt, und erst ihre Begegnung mit Ronnie, ihrem One-Night-Stand und dann Sandro geben ihrem Leben die Energie, die sie ohne sie nicht gefunden hatte.

Zwischendurch gab es auch ein paar zähe Passagen, vor allem die, die Sandros Vater in seiner Jugend zeigten und den Weg zu seinem Reifen-Imperium. Da habe ich dann auch schon mal quergelesen, wie er Bäume im Regenwald anzapft um Gummi zu ernten. Insgesamt aber ist „Flammenwerfer“ ein interessanter, durchaus reizvolles Buch, das für mich persönlich aber auch schwer zu lesen war. Vielleicht auch, weil mir diese Kunstwelt so völlig fremd ist.

3 Sterne

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